Neue Operationstechnik bei Knochenbrüchen mittels aufblasbarem Nagel
Im Landeskrankenhaus Schärding gelang vor kurzem dem Leiter der Unfallchirurgie Primar Dr. Hermann Schütz die österreichweit erste Operation eines Oberarmbruches mittels eines aufblasbaren Stahlnagels. Aufgrund des großen Erfolges ist diese neue schonende Technik ab sofort Standard im Schärdinger Spital bei Operationen von Querfrakturen der großen Röhrenknochen an Armen und Beinen.
Die Idee, den für die Operation von Brüchen notwendigen Nagel stark zu verkleinern und erst im Knochen zu voller Größe aufzupumpen, stammt aus Deutschland. Primar Dr. Schütz lernte die neue Technologie bei einem Orthopädie-Kongress in Baden-Baden (D) im Frühling heurigen Jahres kennen und interessierte sich sogleich für die praktische Umsetzung im Landeskrankenhaus
Das Implantat besteht aus medizinischem Stahl, dessen Durchmesser vor der Operation nicht einmal halb so groß ist wie bei normalen Nägeln. Bei der Operation wird der Nagel unter Druck (70 bar) mittels Kochsalzlösung zur vollen Größe ausgedehnt und passt sich exakt dem Markraum an. Die Zacken an der Außenseite des Nagels verkeilen sich fest im Knochenmark, sodass keine seitliche Verdrehung der Bruchstelle mehr möglich ist und eine starre Fixierung erfolgt.
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Die großen Vorteile der neuen Methode sind:
- Hohe Rotationsstabilität (Sicherheit gegen Verdrehung):
Bei den herkömmlichen Nägeln für Querfrakturen an Oberarm- bzw. Oberschenkeln (wo also der Knochen in gerader Linie gebrochen ist) sind immer Probleme durch Rotationsinstabilität gegeben. Um dies auszuschalten braucht man zusätzlich Verriegelungsschrauben, damit sich die Bruchenden nicht gegeneinander verdrehen können. Bei älteren Patienten, deren Knochen schon brüchiger sind, ist dies stets mit Schwierigkeiten verbunden. Die neue Methode mit dem zackigen, aufblasbaren Nagel verspricht im Gegensatz dazu hohe Rotationsstabilität. Die zusätzliche Verschraubung des Nagels entfällt.
- Kurzdauernder Eingriff
Die Operationszeiten sind wesentlich verkürzt: Die Dauer dieser neuen Operationstechnik beträgt 20 Minuten. Eine Regionalanästhesie reicht dazu in der Regel völlig aus.
- Kleiner Eingriff
Dadurch dass nur ein schlanker Nagel in den Knochenmarksraum eingeführt werden muss, ist nur ein kleiner Schnitt nötig.
- Kürzere Genesungszeiten
infolge des wesentlich vereinfachten Operationsverfahrens
Der aufblasbare Nagel, der nicht wesentlich mehr kostet als ein normaler Nagel, ist für viele Anwendungen bei Brüchen langer Röhrenknochen (Oberarm, Oberschenkel, Unterschenkel) in naher Zukunft die erste Wahl zur operativen Bruchversorgung.