Schärdinger Mediziner bringt neue Operationstechnik nach Österreich:
Revolution in der Hüftchirurgie
Mit einer Revolution in der österreichischen Hüftchirurgie kann jetzt die Unfallchirurgie des Landeskrankenhauses Schärding aufwarten. Prim. Dr. Hermann Schütz implantierte einem Patienten erstmals einen neuen Gelenksersatz, ohne dass dem Betroffenen dabei der Hüftkopf entfernt werden musste. Mit Erfolg: Bereits wenige Tage nach dem Eingriff kann der Mann ohne Schmerzen gehen.
"Bisher musste bei künstlichen Hüftgelenken sowohl der Hüftkopf als auch die Hüftpfanne ersetzt werden. Bei der nun angewendeten Methode, die auf Prof. Wagner zurückgeht, wird nur die Gelenkoberfläche sowohl der Pfanne als auch des Oberschenkelkopfes ersetzt ",erklärt Prim. Schütz. Die neue Operationsmethode ist speziell für jüngere Patienten geeignet, deren Hüftgelenk nach Unfällen oder anderen Ursachen frühzeitig zerstört wurde. Bei älteren Menschen ist die Methode nur bedingt einsetzbar. "Der große Vorteil ist, dass mit dem Bestehenbleiben des Hüftkopfes der Eingriff insgesamt viel schonender erfolgen kann. Zusätzlich haben die Patienten den Vorteil die Hüfte sofort wieder belasten und auch wieder Sport betreiben zu können", erklärt Prim. Schütz. So besteht nach einer Rehabilitationsphase für den Patienten keinerlei Einschränkungen - Beispiele aus Deutschland zeigen, dass Langstreckenläufer, Judoka und Badmintonspieler mit den Prothesen Höchstleistungen erzielen.
Von England über Deutschland nach Schärding
Der Hüftersatz mittels der neuen Operationstechnik wurde in Birmingham, England entwickelt. Seither wurden weltweit, insbesondere in den englischsprachigen Ländern 15.000 Patienten mit dieser Hüftprothese versorgt. Vor allem konnte die Luxationsrate, die bei den herkömmlichen Hüftprothesen im Prozent-Bereich lag, in den Promillebereich gesenkt werden. "Die bisherigen Resultate sind wirklich sehr vielversprechend und bedeuten für all jene, die auf eine künstliche Hüfte angewiesen sind, eine echte Erleichterung", so Prim. Schütz.
Der Unfallchirurg absolvierte seine orthopädische Fachausbildung in Nürnberg bei Prof. Dr. Heinz Wagner, der bereits in den 70-iger Jahren eine ähnliche Prothese entwickelt hatte. Mit der neuen Methode aus England, die man als Renaissance der Wagner-Prothese bezeichnen kann, kam er heuer erstmals in Berlin in Berührung. Dort erlernte er auch diese neue Methode und führte sie vor wenigen Tagen im LKH Schärding an einem 50-Jährigen Patienten aus, der an einer posttraumatischen Arthrose am linken Hüftgelenk litt. Der Umstand, dass sich der Mann bereits sechs Tage nach der Operation völlig schmerzfrei bewegen kann zeugt vom hohen Patientenkomfort dieser Operationsmethode.
Schärding, 27. November 2002